Agri-PV in der Schweiz: Chancen, Technik und Lösungen für Hausbesitzer & Unternehmen
Agri-Photovoltaik verbindet Photovoltaikmodule mit landwirtschaftlicher Produktion. Auf derselben Agrarfläche entsteht so ein doppelter Nutzen: saubere Stromerzeugung und sichere Lebensmittelproduktion.
Während klassische PV-Anlagen nur Energie liefern, schaffen Agri-Photovoltaik Anlagen zusätzlichen Mehrwert durch Doppelnutzung, etwa als Witterungsschutz für Obst oder Gemüse.
In der Schweiz gewinnt diese Technologie zunehmend an Bedeutung. Studien im Bereich der Agri-PV zeigen vielversprechende Ergebnisse – von kleinen Dachanlagen auf Einfamilienhäusern bis zu grossflächigen Projekten für Landwirtschaftsbetriebe und Industrie.
Themen im Überblick
- Was ist Agri-Photovoltaik? – Definition und Grundlagen
- Welches Potenzial haben Agri Photovoltaikanlagen für Landwirtschaft und Energie?
- Technische Ansätze und Systeme der Photovoltaik Agri PV Technologie
- Forschung, Pilotprojekte & Modellregionen in der Schweiz
- Vorteile für Hausbesitzer – Agri PV Module auf Ein- & Mehrfamilienhäusern
- Agri PV Lösungen für Unternehmen
- Herausforderungen & wirtschaftliche Chancen für Agri PV Projekte in der Schweiz
- Ausblick – Zukunft von Agri-PV in der Schweiz
- Checkliste – Ist Agri-PV die richtige Lösung für Sie?
- Fazit
- FAQ – Meist gestellte Fragen zum Thema
Was ist Agri-Photovoltaik? – Definition und Grundlagen
Agri-Photovoltaik nutzt landwirtschaftliche Flächen doppelt – für den Ackerbau und die Erzeugung von Solarenergie. Anders als bei klassischen PV-Anlagen steht bei der Agri-PV die Nutzpflanzenproduktion im Fokus, während gleichzeitig sauberer Strom erzeugt wird.
Die Doppelnutzung bietet zusätzlichen Nutzen wie Beschattung, Witterungsschutz und Ertragsoptimierung für Pflanzen. Die DIN SPEC 91434 definiert Agri-PV als landwirtschaftliche Hauptnutzung mit ergänzender Energieerzeugung.
In der Schweiz eröffnen Felder, Dauerkulturen und Dauergrünland als Agrarfläche großes Potenzial. Die Idee, Solarstrom über Agrarfläche zu integrieren, reicht zurück in die frühen 1980er Jahre – von Forschenden des Fraunhofer ISE vorgestellt. Heute sichert Agri-PV Landwirtschaft und Energieproduktion auf derselben Fläche und wird nahezu auf der gesamten Welt genutzt.
Welches Potenzial haben Agri Photovoltaikanlagen für Landwirtschaft und Energie?
Studien zeigen ein theoretisches Energiegewinnungspotenzial von 323 TWh pro Jahr, das über sechs Mal dem aktuellen Stromverbrauch der Schweiz entspricht. Rechnet man nur Flächen innerhalb von 300 m zum Einspeisepunkt, bleibt ein realistisches Potenzial von 113 TWh/a.
Dieses deckt rund 56 % der Agrarfläche ab und entspricht einer Energieerzeugung, die heute nur mit PV-Dächern allein unerreichbar wäre. Regionen wie das Mittelland – insbesondere Bern, Waadt und Freiburg – liefern auf diese Weise besonders hohe Erträge.
Pro kWp Nennleistung liegen die Erträge pro Jahr bei 1 194 kWh, der Winterstromanteil beträgt etwa 29 %. Die Flächeneffizienz, kombinierte Nahrungsmittelproduktion und Stromerzeugung steigern Ihre Versorgungssicherheit und stärken Landwirtschaft und Energieerzeugung zugleich.
Technische Ansätze und Systeme der Photovoltaik Agri PV Technologie
Forschung, Pilotprojekte & Modellregionen in der Schweiz
Die Berner Fachhochschule (BFH) hat mit dem AgriSolar-Forum ein Kompetenzzentrum gegründet, die die Erforschung von Agri-PV Technologie mit Bildung und Dienstleistung bündelt. Auf dem Campus Burgdorf werden dort verschiedene Systeme getestet und praxisnah weiterentwickelt.
In Luzern prüft ein Projekt auf 7000 m² drei Systeme im Himbeeranbau. Ziel: gleiche Erträge und zusätzliche Stromproduktion.
Agroscope betreibt Pilotversuche in verschiedenen Kantonen, etwa mit Erdbeeren, Himbeeren und Gemüse. Sie testen, wie Lichtdurchlässigkeit die Erträge beeinflusst.
Ein Pilot im Aargau erzeugt jährlich 500’000 kWh, genug für rund 110 Haushalte – Energie plus Schutz für Kulturen.
Vorteile für Hausbesitzer – Agri PV Module auf Ein- & Mehrfamilienhäusern
- Mehrfachnutzung von Dach & Agrarfläche: Kombinieren Sie Solarmodule mit kleinen Anbauflächen wie Beeren oder Kräuter unter den PV-Modulen, um Zusatznutzen wie Schatten, Kühlung und Mikroklima zu schaffen.
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Solarenergie für Ihr E-Auto: Der gewonnene PV-Strom deckt Ihren Eigenverbrauch – besonders effizient bei Nutzung zur Elektromobilität.
- Wertsteigerung und Unabhängigkeit: Sie profitierten von nachhaltiger Stromproduktion, die langfristig den Wert Ihrer Immobilie hebt.
- Wasser- & Kostenvorteile: Die Bewässerung effizienter, Erträge stabil – bei bestehender Förderkulisse in der Schweiz (z. B. CHF 6.–/kWh Selbstverbrauch ab 2026, reduzierte Netzkosten).
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Kompakte Umsetzung – grosser Effekt: Bereits kleine Dach-Agrar-Kombinationen liefern echten Nutzen und fördern die Produktion lokaler Nahrungsmittel.
Agri PV Lösungen für Unternehmen
- Grosse Frei- und Dachflächen sind ideal geeignet für starke PV-Strom-Eigenversorgung. Das senkt Energiekosten deutlich – besonders bei hoher Eigenverbrauchsquote.
- Unternehmen erreichen spielend ESG-Ziele: Klimaschutz, saubere Energiegewinnung, nachhaltiges Image – zugleich stärken sie ihre Marktposition. Laut Studie kann ein PV-Projekt erheblich zur CO₂-Reduktion und Luftreinhaltung beitragen.
- Amortisation gelingt schneller durch kombinierte Stromproduktion und Förderbeiträge (z. B. Netznutzungsreduktionen, EIV).
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Branchenlösungen: Landwirtschaftsbetriebe, Lagerhallen oder Produktionsstandorte nutzen Solaranlagen intelligent – oft sind Netzanschlüsse bereits vorhanden, und die Betriebskosten sinken nachhaltig.
- 2023 installierte die Schweiz 1 640 MW neue PV-Leistung, ein Wachstum von 51 % im Vergleich zum Vorjahr – das Gesamtvolumen deckt mittlerweile über 8 % des Strombedarfs.
Herausforderungen & wirtschaftliche Chancen für Agri PV Projekte in der Schweiz
Agri-Photovoltaik bewegt sich im Spannungsfeld zwischen technischen, regulatorischen und gesellschaftlichen Grenzen – und gleichzeitig wächst ihr Potenzial dank Förderungen, Eigenverbrauch und einem dynamischen Solarmarkt.
Ausblick – Zukunft von Agri-PV in der Schweiz
Agri-PV lässt sich deutlich ausbauen: Ein realistisches Potenzial liegt bei 113 TWh/a, rund 10 % des Schweizer Stroms – benötigt wären nur 1 % der Agrarfläche. So könnte Agri-PV ein starker Beitrag zur Energiewende sein.
Modellregionen in Kantonen dienen als Pilotgebiete. Technisch treibt der Einsatz von vertikalen Systemen, Glas-Glas-Modulen (langlebig, wetterfest) und optimierter Lichtdurchlässigkeit den Fortschritt voran.
Neue Gesetzesvorlagen erleichtern Genehmigungen. Die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft und Kantonen legt den Grundstein. Mit solchen Innovationen und politischer Unterstützung könnte Agri-PV bis 2050 integraler Bestandteil der Schweizer Energielandschaft sein.
Fazit
Das Agri-PV Konzept zeigt die Synergien zwischen Landwirtschaft und Energieproduktion auf derselben Agrarfläche eindrücklich.
Die Kombination aus Photovoltaikmodulen und landwirtschaftlicher Produktion steigert die Flächeneffizienz, liefert PV-Strom für Eigenverbrauch und Elektromobilität und schafft Zusatznutzen wie Witterungsschutz oder stabile Beerenproduktion.
Trotz Herausforderungen bei Technik, Regulatorik und Akzeptanz eröffnen Förderungen und sinkende PV-Gestehungskosten enorme Chancen. Mit Pilotanlagen, Modellregionen und innovativer Agri-PV-Technologie ist klar: Bis 2050 kann Agri-PV ein fester Bestandteil der Schweizer Energiewende sein – als nachhaltige Lösung, die Stromerzeugung und Nahrungsmittelproduktion intelligent verbindet.
Lohnt sich Agri-PV auch für Ihre Flächen?
FAQ – Meist gestellte Fragen zum Thema
Welche Vorteile hat Agri-PV für landwirtschaftliche Betriebe?
Betriebe profitieren von Doppelnutzung der Agrarfläche, stabileren Erträgen durch Witterungsschutz und zusätzlicher Stromproduktion für Eigenverbrauch.
Welche Förderungen gibt es für Agri-PV-Anlagen in der Schweiz?
Kantone und Bund unterstützen über Investitionsbeiträge und Vergütungen pro kWh. Besonders attraktiv sind Netzentgeltreduktionen von bis zu 40 %.
Welche Nutzpflanzen eignen sich am besten für Agri-PV-Systeme?
Vor allem Kern- und Beerenobst, Gemüse und Reben profitieren von teilweiser Beschattung. Kulturen wie Mais sind weniger geeignet.
Welches Potenzial hat Agri PV-Strom in der Schweiz?
Studien schätzen ein realistisches Energiepotenzial von 113 TWh pro Jahr – rund 10 % des gesamten Schweizer Stromverbrauchs.
Was ist die Spec 91434?
Die DIN SPEC 91434 ist ein technischer Standard, der festlegt, wie Agri-Photovoltaikanlagen aufgebaut und betrieben werden sollen, damit landwirtschaftliche Nutzung und Energiegewinnung gleichzeitig möglich sind.
Sie definiert Kriterien wie Mindestabstände, Lichtdurchlässigkeit, Bearbeitbarkeit der Flächen und die landwirtschaftliche Hauptnutzung. Entwickelt wurde sie vom Fraunhofer ISE in Deutschland, wird aber auch in der Schweiz zunehmend als Referenz genutzt, etwa für Planung und Bewilligung von Agri-PV-Projekten.

Gründer und Geschäftsführer der solarmotion ag.
Seit über 14 Jahren begleitet Stefan Merz Hausbesitzer und Unternehmen auf dem Weg zu einer unabhängigen und nachhaltigen Energiezukunft. Als erfahrener Energieexperte setzt er auf individuelle Lösungen mit Fokus auf Eigenverbrauch, Wirtschaftlichkeit und technische Zuverlässigkeit.
Sein Antrieb: Die Energiewende greifbar machen – mit ehrlicher Beratung, hochwertigen Komponenten und einem starken Team. Unter seiner Leitung hat die solarmotion bereits über 1000 Projekte erfolgreich realisiert.
